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de rebus gestis Coemgeni

Roma

Proemium

Die Schweiz besitzt keine Metropole. Zürich erhebt unrechtmässig Anspruch darauf. Es ist unbestritten die grösste Stadt der Schweiz, aber bei weitem keine Metropole. Unsere Metropolen liegen dagegen im Ausland: Paris, Berlin und eben Rom. Bis vor kurzem hatte ich es noch nicht geschafft diese berühmte Stadt zu besuchen. Die jüngste VGS-Exkursion bot Anlass dazu, den ich gerne in Anspruch nahm.


Vorabend und die nächtliche Reise

Alle Wege führen nach Rom, aber welchen nimmt man? Die Organisatoren beschlossen den ökologischen Weg zu gehen, nicht zu Fuss, wie es sich für Pilger gehört, aber mit dem Nachtzug, welcher mit ähnlich grossen Entbehrungen verbunden ist. Die Alitalia bietet dafür andere Nachteile... Wir versammelten uns also am Sonntag am HB in Zürich und bestiegen den Zug in die ewige Stadt. Die Verhältnisse waren ziemlich beengend: Sechs Pritschen in einem winzigen Abteil, die viel zu kurz, zu schmal und zu hart waren. Es ist verständlich, dass ich auf der Hinreise nur wenig schlief. Am frühen Morgen kamen wir überraschenderweise pünktlich in Roma Termini an.


Montag

Das Hote Alessandro Downtown lag unfern der Stazione Termini, so dass wir sie zu Fuss erreichen konnten. Ich bekam die ersten Eindrücke: zuerst ein ungewöhnlich sauberer und schöner Bahnhof und dann schmutzige Strassen, bröckelnde Fassaden, das typische italienische Stadtbild eben. An fast jeder Ecke wurden gefälschte Guccitaschen verkauft. Das Hotel machte einen gemütlichen Eindruck. Wir wurden freundlich und herzlich empfangen und gleich eingeladen am Frühstücksbuffet teilzunehmen. Dort stärkte ich mich gleich mit luftigen Brötchen und schneeweisser Butter.

Müde und zerknittern rissen wir uns dann die Stadt unter den Nagel. Wir spazierten zum Forum Romanum, beschauten dasselbe und den Palatin mit den Kaiserpalästen. Von dem einzigen Glanz des kaiserlichen Roms sind nur Ruinen erhalten. Es ist schwierig sich einen Eindruck zu machen, wie es vor knapp zwei Jahrtausenden ausgesehen hat. Eine Vorstellung gibt das Monumento Vittorio Emmanuele II., ein historistisches Machwerk, das seiner Form wegen Schreibmaschine genannt wird. Ein protziges Machwerk, aber die Kaiserforen und -paläste sahen nur wenig anders aus.

Schwer erschöpft suchten wir des abends noch ein Restaurants und wurden in der Nähe der Piazza Navona fündig. Ich kam in den Genuss von Tonnarelli Amatriciana, Scalopine al limone und Vino della casa. Alles sehr lecker! Auf dem Heimweg gönnte ich mir noch ein Gelato, ein Muss bei diesen für nordalpine Verhältnisse sommerlichen Temperaturen.

Das Bett im Sechserschlag des Hotels war etwas komfortabler und das Schlafen auf demselben leichter.


Dienstag

Am frühen Morgen brachen wir erneut zu den Kaiserforen auf und schauten das dazugehörige Museum an. Dieses erklärte sehr gut die Entstehung der Foren und wie sie ursprünglich wohl aussgesehen hatten. Darauf schlenderten wir zum nahegelegenen Kolosseum. Heutzutage entsetzt man sich an bluttriefenden Videogames und anderen geschmacklosen Formen der Unterhaltung. Das ist alles nichts gegen die Zerstreuungen der alten Römer. Im Kolosseum wurden Seeschlachten nachgespielt, um Leben und Tod gekämpft und Menschen an wilde Tiere verfüttert. Was ist ein albernes Videospiel dagegen?

Das Pflichtprogramm endete mit meinem Referat über das Pantheon, dem best erhaltenen Bauwerk der Antike. Ein weiterer Superlativ ist seine Betonkuppel mit 150 römischen Fuss Durchmesser. Sie ist damit die grösste der Welt. Die gewaltige runde Cella ist einfach atemberaubend.

Die cena zog uns wieder in die Nähe der Piazza Navona. Wir speisten in einer eleganten Enoteca. Die Preise waren für italienische Verhältnisse auch eher elegant, aber das Essen und der Wein waren vorzüglich: Gnocchetti al tartufo und Scalopine in irgendeinem Weisswein. Den Schlummertrunk konsumierten wir in der sogenannten Efeubar - des richtigen Namen kann ich mich leider nicht entsinnen -, deren Fassade mit herunterhängendem Weinlaub oder einem anderen Geränke geschmückt wurde. Diese schloss schon um halb eins, so dass wir gezwungen waren eine weitere Lokalität zu suchen, was wegen der späten Stunde und mangelnder Kenntnisse der Stadt eher schwer war. Wir landeten schliesslich in einer trockeneisverrauchten, lärmigen Kellerbar, die wir aber nach einem Bier gleich wieder verliessen und das Bett aufsuchten.

*** Fortsetzung folgt ***
11.10.08 16:15


Danmark 11.-19. August

Nach einer zweijährigen Pause habe ich es endlich wieder in mein geliebtes Dänemark geschafft. Ich war zweimal in Kastrup auf dem Weg zu den Färöern und retour, aber das zählt nicht. Der Flughafen ist internationales Terrain.


Montag

Die Hinreise verlief ausnahmsweise einmal ohne Zwischenfälle und Probleme. Ich kam pünktlich bei schönstem Wetter an und konnte gleich weiter nach Århus reisen, wo das Wetter nicht so schön war. Århus hinkt Kopenhagen halt immer ein bisschen nach. Wir mögen über diesen Makel hinwegschauen. Denn ich reiste natürlich nicht wegen Århus nach Århus, sondern wegen meiner Freundin Lena, die ich drei lange Jahre nicht mehr gesehen hatte. Ich wurde herzlich empfangen und zu Hause erwartete uns schon ihr Herr Gatte Johan mit dem Essen.
Zum Bettmümpfeli gingen wir noch kurz in die Stadt und konsumierten ein Dessert, das von einem ebenso leckeren Kellner serviert wurde. Nur das Gesäss war zu bemängeln.


Dienstag

Weil meine verehrten Gastgeber ihrem täglichen Brot nachgehen mussten, war ich völlig auf mich alleine gestellt und musste mich im grössten Provinzloch oder auch anders genannt in der kleinsten Grossstadt der Welt zurechtfinden. Ich war so blöde vor zehn Uhr in die Stadt zu gehen, als alle Geschäfte noch geschlossen waren. So ist das halt im faulen Staate Dänemark. Ich stellte dann nach zehn Uhr fest, dass noch Ausverkauf war und erforschte neugierig das Angebot. Am Abend liessen wir wieder alte Kopenhagener Rituale aufleben und kochten Älplermagronen, die ich eigens importierte.


Mittwoch

Ein Tag reicht schon für eine Shoppingtour durch Århus, so dass es mich aus der Stadt herauszog nämlich ins Moesgaard Museum, wo die Moorleiche Grauballemand zu sehen ist. Es gibt dort eine interessante Ausstellung über das prähistorische Dänemark, den besagten Grauballemand und - was mich besonders überraschte und freute - den Illerup-Ådal-Fund. Die wagnijo- und niþijo-Inschriften waren kaum zu lesen, aber es war schön sie einmal vor Augen zu haben. Das auf einem Herrenhof befindliche Museum bietet neben schönen Fundstücken auch noch einen grossen Park mit Nachbauten prähistorischer Gebäude. Ich hatte keine Ahnung wie gross der Park wirklich war und verlief mich fast. Es gab tausende von Pfaden und Wegen, die einen in längstvergangene Zeiten führten. Das Wetter war obendrein sehr launisch, so dass ich fast verregnet worden wäre, wenn ich nicht zufällig Obdach im Restaurant der Skovmølle gefunden hätte. Ich wurde - was in Dänemark sehr unüblich ist - sehr freundlich bedient und bekam zum Kaffee, weil ich wohl so arm und mitleiderregend aussah - ein kleines Stück sehr leckeren Käsekuchens geschenkt. Als es zu schonen begann, wagte ich mich wieder hinaus und wurde dann auch bald von einer heftigen Schauer erwischt. Den schönen Strand konnte ich kaum geniessen und suchte genervt vom launischen Wetter und den Irrwegen zurück zur Busstation, was mir auch tatsächlich gelang. In Århus angekommen herrschte wieder das schönste Wetter. Am Abend wurden wir zu Johans Schwester Thea eingeladen und sehr lecker bekocht.


Donnerstag

Thea führte mich am nächsten Tag ins Kunstmuseum Aros. Wir bekamen die Jahreskarte ihrer Mutter, die angeblich Gäste miterlaubt. Die Aufsicht war aber anderer Meinung und verwies uns an den Schalter, wo wir eine zweite Karte bekämen. Dabei wäre natürlich unser Betrug aufgeflogen und wir begnügten uns mit einem kleineren, billigeren und weniger prominenten Kunstmuseum, an dessen Namen ich mich nicht erinnere. Dort gab es Hochsitze zu sehen, die verschiedene Interieurs von gemütlich bis chic hatten. Sehr kurios! Wir stärkten uns zu Hause mit einem Mittagessen und versuchten uns an einem Schachspiel. Wir hatten beide wenig Begriff von diesem Spiel, aber es machte trotzdem Spass.
Am Abend wollte mir Lena die Århus' Schwulenszene vorführen. Wir genehmigten uns einen Apéro in der Sidebar, wo wir von einem noch appetitlicheren Kellner bedient wurden und wollten dann in den Club Blender, der aber geschlossen war. Enttäuscht gönnten wir uns noch einen Absacker in einer weniger schönen Bar und gingen wieder nach Hause.


Freitag

Endlich begaben wir uns zurück in die Zivilisation, nach Kopenhagen. Zuerst gab es ein leckeres Nachtessen bei Harpa und Guðjón. Ich lernte auch deren herzigen Sohn Úlfur kennen. Danach feierte ich mit den Aarhusianern das Speciale von Johans Cousine in Vesterbro, wo ausreichend Bier floss.


Samstag

Mit meinen Kopenhagener Gastgebern ging ich an die Gay Pride, die mehr oder weniger um die Ecke bei der Nørrebrohallen begann. Der Umzug war verhältnismässig kurz, aber es war lustig zuzuschauen und viele Kondome geschenkt zu bekommen. Später zelebrierte ich mit Lena ein zweites Kopenhagener Ritual, nämlich Biertrinken am See und Joggerbegutachten. Für irgendwelche Pride Parties war ich zu müde. Ich begnügte mich mit einem Absacker im Oscar und ging dann nach Hause.


Sonntag

Am Mittag gab es einen grossen Familienbrunch am Skt-Hans-Torv und dann traf ich Lena und Johan zum Abschied. Ich versuchte es noch einmal im Oscar, aber es gab nichts interessantes. Am Abend kochte ich für meine Gastgeber und lernte die Serie Næturvaktin kennen, die äusserst lustig ist.


Montag

Ich bummelte durch Kopenhagen, traf Ken zum Nachmittagsbier im Kulturhuset. Die anderen Kopenhagener Bekanntschaften waren leider nicht in der Stadt. Später probierte ich noch das neu eröffnete Café Bernina aus, das aber fast leer war.


Dienstag

Vor der Abreise spielten wir noch Boule im Assistens Kirkegaard. Dem Gärtner gefiel das wenig und er verwies uns auf andere Parks. Offenbar schätzt man es nicht mehr, dass der Friedhof wie ein Park belebt wird. Die armen Toten langweilen sich doch nur. Die einzigen die regelmässigen Besuch bekommen sind H. C. Andersen und S. Kierkegaard. Wir tranken dann noch ein Bierchen im Café Gugenhaim und dann war es Zeit mit der neuen Metrolinie auf den Flughafen zu fahren. Abgesehen von einer kleineren Verspätung verlief auch die Heimreise einmal problemlos.
21.8.08 23:37


Schlemmen und Wandern II

Die Sturmfreiheit hält noch an. So lud ich noch meinen Freund aus Basel ein. Als Reminiszenz an das Essen wie Gott in Frongkraisch buk ich Crêpes mit zweierlei Füllungen (Schinken-Champignon-Käse und Apfelkompott). Gesättigt schauten wir schöne Filme: 1. "Beresina oder die letzten Tage der Schweiz", eine fabelhafte Satire von Martin Suter. Beim dritten Mal wirkt der Film etwas albern, aber Irina ist und bleibt einfach göttlich. 2. "Ridicule", ein Film über einen französischen Kleinadligen, der bei Louis XVI. um Geld zur Drainage seiner Sümpfe ersucht und sich durch den Intrigendschungel Versailles' schlagen muss. Die wirksamste Waffe sind Bonmots, die man im rechten Moment aussprechen muss, um seinen Esprit zu beweisen und seine Konkurrenten "ridicule" zu machen. Der Film ist ein wunderschönes Bild dieser Epoche: Der gute und vernünftige Geist der Aufklärung gegen den bösartigen und "ridiculen" Esprit des Absolutismus.

Am nächsten Vormittag machten wir uns auf den Weg in den Fryberg. Ich hadere immer noch mit der Präposition: Heisst es "auf dem" oder "im" Fryberg. Der Fryberg ist kein Berg, sondern das älteste Wildschutzgebiet Europas. Man gründete dieses, weil durch das neue Gewehr viel mehr Wild geschossen werden konnte und die Bestände bedroht wurden. Man erklärte vor 450 Jahren das Gebiet zwischen Gross- und Kleintal für geschützt, damit sich die Bestände dort erholen konnten. Erstaunlich, dass es damals schon Bestrebungen zum Tierschutz gab. Diese Vernunft wäre heutzutage sehr wünschenswert, denn es wird bald alles leergejagt, -gefischt, -geholzt und geerntet ohne daran zu denken, dass es vielleicht eines Tages keine Beute mehr gibt. Der moderne Mensch sollte eigentlich viel Vernunft beweisen als jener der frühen Neuzeit. Aber das zeigt doch einmal mehr, dass sich der Mensch nie bessert... Aber zurück zur Präposition. Ein Gebiet verlangt doch viel mehr die Präposition "in", weil es ein geschlossener Raum ist. Aus diesem Grunde wähle ich die Option "im" Fryberg.

Zuerst gab es eine halsbrecherische Fahrt mit dem Bus von Schwanden nach Kies. Wenn er gekippt wäre, wäre er ins Tobel hinunter gestürzt. Aber er kippte nicht. Das letzte, steilste Stück bezwangen wir dann mit der Bergbahn. Oben am Stausee Garichti war es ganz schön kühl, kein Wunder bei 1600 m. ü. M. Wir spazierten dem See entlang, genossen die frische Luft und die schöne Landschaft, wanderten weiter zur Kärpfbrugg, wo uns eine Ziegenherde entgegenkam. Die Geissen waren sehr zutraulich und liessen sich streicheln, die Böcke weniger, ausser einem. War der etwa schwul? Unter der Kärpfbrugg nisteten ein paar Raben. Nicht der gemütlichste Platz, aber sicher sicher. Weiter oben sichteten wir eine Gemsenherde mit Jungen, die einem steilen Berghang entlang wanderte. Und später liess sich auch noch eine Kuhherde streicheln. Der reinste Streichelzoo! Der Abstieg zum Stausee gestaltete sich etwas mühsam, da sich mein Knie von der letzten Wanderung noch nicht erholen konnte und fürchterlich schmerzte. Ich schaffte es aber doch noch die dreihundert Meter abzusteigen.

In Glarus wollten wir uns an Pommes Frites laben, aber die meisten Restaurants hatten Ferien. Wieder einmal typisch Glarus, diese sogenannte Stadt ist einfach tot. Wir mussten uns dann halt an einem Kebapstand stärken. Die faulen Schweizer sollten sich an den Türken ein Vorbild nehmen. Die Pommes Frites waren da nicht schlechter als anderswo und obendrein billiger und wir konnten trotzdem die schöne Aussicht auf den Zaunplatz geniessen, der einem fast ein italienisches Piazza-Feeling bietet.

Zuhause entspannte ich mich dann bei einem heissen Bad mit Musik von Pachelbel.

24.7.08 12:05


Schlemmen und Wandern

Wenn die Bude sturmfrei ist, muss man das natürlich ausnützen und Freunde einladen. Für wilde Parties bin ich schon zu alt. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man danach viel aufräumen und putzen muss, was ich höchst ungerne tue, noch weniger wenn ich einen Kater habe. Man kann auch einen zahmen Abend geniessen und muss am Nachtag nicht unnötig leiden.

Ich lud einen Kommilitonen ein und wir kochten viel leckere Dinge: Šaltibarščiai, eine litauische, kalte Randensuppe - wird auch kalter Borschtsch genannt - zur Vorspeise, Köttbullar mit Gräddsås und Kartoffeln - für Nichtschwedenkenner das klassische IKEA-Gericht - zum Hauptgang und zum Dessert Kladdkaka, ein schwedischer, flacher Schokoladenkuchen. Da die Mägen nach so viel gutem Essen zum Bersten voll waren, brauchten wir einen Tee zur Verdauung. Ein Rigaer Balsam hätte als Digestif besser gepasst, war aber leider nicht vorhanden.

Um die vielen Kalorien loszuwerden gingen wir am Tage danach bussfertig in die Berge. Wir begingen von Weesen aus den Weg hinauf nach Amden, dann hinunter nach Betlis, wo wir den Seerenbachfall bestaunten und dann weiter über den Felsen nach Quinten, das so idyllisch ist und durch eine eigenartige, südländische Flora bezaubert. Zurück gingen wir dann mit dem Schiff, weil Füsse und Kniee schon weh taten. Die Freude an der Fahrt wurde getrübt, weil sie nicht in den GA-Bereich gehört. Man bekam nicht einmal eine Reduktion. Welch eine Ausbeutung! In Weesen stärkten wir uns mit Glacé. Im Parkhotel Schwert wollte man uns aus unerklärlichen Gründen - wohl am ehesten wegen der Träg- und Faulheit des Personals - nicht bedienen. Ich rate deswegen von dieser Lokalität ab. Dafür ist die Trattoria nebenan viel empfehlenswerter, weil wir dort sogar einmal mehr als nötig bedient wurden. Das nennt man Service! Das Glacé vermochte uns noch nicht genügend abzukühlen, denn wir wagten noch ein Bad in dem eiskalten Walensee und fuhren dann erschöpft nach Hause.
19.7.08 22:34


Paris, ô Paris!

Wenn man Freunde im Ausland hat, muss man die Gelegenheit nutzen um sie zu besuchen. Besonders gerne besucht man Freunde in Paris, denn Paris ist immer eine Reise und vielleicht auch eine Messe wert. Die Weltstadt ist ja fast vor der Haustür bei nur viereinhalb Stunden Fahrt mit dem TGV von Zürich aus, wenn denn das auch funktioniert.

Am Donnerstag begab ich mich zu früher Stunde auf den Bahnhof. Ich wartete und wartete und es wurde schon sechs, der Zug hatte schon zehn Minuten Verspätung, aber nichts! Keine Durchsage! Kein Wunder zu dieser Zeit auf diesem abgelegenen Bahnhof! Jemand hatte die Zivilcourage dieses seltsame Notruftelephon zu bedienen, welches dann die Auskunft gab, dass der Zug nicht komme. Wieso kommen solche Durchsagen nicht von selbst? Bei der DB, bei den DSB und auch anderen ausländischen Bahnen würde mich das nicht überraschen, aber bei den SBB? Immer teurer und immer mieseren Service! Man kann wohl nachempfinden, dass ich sehr, sehr, sehr wütend wurde. Tobend stampfte ich wieder nach Hause und rief die Service Line der SBB an, die 1.19 Fr. pro Minute kostet. Das ist ja die Höhe der Frechheit, dass man für Auskünfte in der Not bezahlen muss. Es wird aber noch besser: Die Auskunft war obendrein völlig inkompetent, fand nur drei TGV-Verbindungen nach Paris, die alle ausgebucht seien, und verwies mich dann hilflos an den Kundendienst, der aber erst ab acht zur Verfügung stehe. Mir fehlte die Geduld, ich schaute auf dem Internet nach und fand mehrere Verbindungen nach Paris pro Stunde, halt mit Umsteigen, aber wen stört das? Hauptsache man kommt ans Ziel! Dieses dumme Huhn, und das muss man sogar noch bezahlen! So eine Unverschämtheit!

Ich fuhr dann aufs Geratewohl nach Zürich, fragte die Conductrice, die besseren Rat zu geben wusste, als das inkompetente, hirnlose Huhn der Service Line. Ich fuhr dann auf ihren Rat nach Basel und buchte dort die Fahrt beim Kundendienst um und bekam sogar noch einen Gutschein für das Bahnhofbüffet um meinen anderthalbstündigen Extraaufenthalt in Basel zu versüssen. Das Chaos geht aber noch weiter. Der Herr beim Kundendienst betonte, dass der TGV am Schweizerbahnhof halte, aber dann kommt prompt eine Durchsage, dass der Zug auf dem französischen Bahnhof halte. Ich begab mich dorthin, wo kein TGV war, sondern ein Regionalzug nach Strassburg. Ich versicherte mich beim Vorstand, oder wer das auch immer war, der nur sagte, dass ich in Mülhausen umsteigen solle. Tatsächlich wartete dann ein TGV in Mülhausen. Die weitere Fahrt verlief dann problemlos, so dass ich dann drei Stunden später heil in Paris ankam.

Nach dieser Nervenprobe musste ich mich erholen und dann konnte ich mit meinem Gastgeber die Stadt besichtigen. Wir stöberten im FNAC herum, wo ich drei schöne CDs (zweimal Purcell und einmal Pachelbel) erwarb, schauten das Palais Royal an, das einen wunderschönen Innenhof hat, speisten in einem schönen Restaurant am Place St.-Catherine und flanierten durch das abendliche Paris.

Am nächsten Tag besichtigten wir das Panthéon, das ein Foucault'sches Pendel, eine schöne Kuppel mit Aussicht und Gräber berühmter Franzosen zu bieten hat, und wir durchforsteten das Ausverkaufsangebot der Modemetropole. Leider gab es die meisten Dinge, die mir gefielen nicht in meiner Grösse, entweder zu klein oder zu gross und die anderen Sachen gefielen mir nicht. Immerhin schaffte ich es zwei T-Shirts zu ergattern. Wir erholten uns dann bei marokkanischem Tee in einem Café und kauften für das Abendessen zu Hause ein.

Am Samstag wollten wir nach Fontainebleau fahren, aber um dahin zukommen, hätten wir im Gare de Lyon sicher eine Stunde anstehen dürfen. An den Wochenenden im Sommer wollen die Pariser natürlich in die Ferien. Immerhin mussten wir für die Billette der Oper nicht lange anstehen. Das Alternativprogramm war dann Picknick in einem kleinen Park im Marais und Besuch im Musée Carnevalet, das ich als reinstes Labyrinth empfand. Das schlimmste war, dass die Mittelalterabteilung geschlossen war. Viel über die Geschichte Paris lernte ich dabei nicht. Am Abend schauten wir dann die Oper Louise von Gustave Charpentier. Es gab ein paar schöne Szenen, aber sonst konnte ich mit dieser naturalistischen Oper nicht so viel anfangen. Eine naturalistische Oper ist sowieso ein Paradox. Ist es naturalistisch, wenn die Pariser Arbeiter und Bohémiens sich singend unterhalten? Lustiger wurde dann der Besuch in einem Club im Marais, wo die Barkeeper oben ohne rumlaufen und ab und zu vor den Gästen duschen. Ich kann nur sagen HOOOT!

Die Rückreise verlief reibungslos, so dass ich pünktlich und unbeschadet wieder zu Hause ankam.


Auf der Kuppel des Panthéons
13.7.08 21:51


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