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Toscana

Die letzten beiden Wochen war ich mit meinem Freund plus Familie in der Toscana. Zuerst hatte ich etwas Zweifel, da ich als Nordenfan den Süden grundsätzlich ablehne: Zu heiss, zu unzivilisiert, zu laut, zu chaotisch, zu unpünktlich, zu schmutzig usw. Der Süden hat dennoch Vorteile, das darf man nicht verschweigen: Sehr gutes Essen und viel Kunst. Für einen Ästheten und Gourmand zwei überzeugende Argumente sich auf die südliche Seite der Alpen zu begeben.

Da wären wir bei der Reise. Im Morgengrauen ging es los, zuerst nach Zürich und dann mit dem Cisalpino nach Florenz. Die Cisalpino-Crew pferchte alle Reservierenden in einen Wagen, so dass der restliche Zug praktlich leer war. Vielleicht wollten sie sich dadurch unnötige Reinigungsarbeiten- und kosten ersparen. Im Tessin wollte ich die beengenden Verhältnisse nicht mehr ertragen und wechselte den Wagen, damit ich endlich die Beine strecken konnte.

Am Nachmittag traf ich dann im heissen Florenz ein (35°C), ein ziemlicher Temperaturschock nach der Fahrt im unterkühlten Cisalpino. Ich wurde herzlich in Empfang genommen und nach Greve in Chianti chauffiert. Wir residierten auf einem neurenovierten Weingut mit Weinberg, Pool und hübsch eingerichteten Zimmern.

Der Urlaub bestand aus etwa 50% dolce far niente, das heisst am Pool rumhängen, sünnelen, essen und lesen. Damit das nicht zu anstrengend wurde, gab es auch noch ein kleines Kulturprogramm. Die Toscana besitzt neben der hochentwickelten Ess- und Trinkkultur noch andere kulturelle Leistungen, u.a. die Renaissance, d.h. der Antike nachempfundene Bilder und Statuen schöner Jünglinge *schmatz*. Das moderne Mannsvolk liess in vielen Fällen auch nicht zu wünschen übrig, schöne, gestylte Ragazzi, überall!

Der erste Ausflug führte nach Siena. Die Fahrt durch die schönen Hügel des Chiantigebietes ist eine grosse Herausforderung für den Magen, aber ich kam ans Ziel ohne etwas zurücklassen zu müssen. Der Campo mit dem dem herrlichen gotischen Rathaus ist wirklich eindrucksvoll. Ebenso der Preis um den Turm zu besteigen: 7 Euro um bei 30°C die enge Treppe hochzuschwitzen. No Grazie! Wir beliessen es bei einer Besichtigung des kühlen Domes, der aussen so schön schwarz-weiss gestreift ist. Innen auch, was ihn etwas düster wirken lässt. Am Boden befanden sich herrliche Einlegearbeiten und dann gab es noch eine schöne Kanzel von Pisano zu bestaunen. Auch kulinarisch liessen wir uns verwöhnen: Panini mit Fenchelsalami und Wildschweinschinken und natürlich Gelati.

Eine weitere Belastung fürs Wohlbefinden war die Fahrt nach San Gimignano, das Manhattan des Mittelalters. Die Patrizierfamilien demonstrierten Macht und Reichtum durch Türme, so dass eine Landschaft von unscheinbaren, hohen Quadern entstand. Heute würde man von negativer Veränderung des Stadtbildes sprechen. Aber gerade solche Denkmalschützlern missfallende Veränderungen machen ein provinzielles Kaff weltberühmt. Man muss in die Zukunft schauen und aus der Vergangenheit lernen. Das Städtchen ist abgesehen von den Bausünden sehr herzig, mit vielen, vielen kleinen Läden, welche die vielen Touristen zu kaufen toskanischer Spezialitäten und Handwerke verlocken sollten. Auch ich verfiel der Versuchung und kaufte Panini, Pizze und Gelati.

Florenz wurde mit zwei grösseren Besuchen beehrt, beim einen flanierten wir im Giardino di Boboli, einem gepflegten, grossen Renaissancegarten und bestaunten den Duomo, der von aussen wie eine Hochzeitstorte aus Marmor aussieht, aber von innen wirkt er eher etwas trist. Herausragend ist auch die fürs Stadtbild äusserst dominante Kuppel. Beim zweiten Besuch nahmen wir die Uffizien in Angriff. Natürlich gab es eine ordentliche Warteschlange, aber wir mussten "nur" eine Stunde warten. Danach taten die Füsse so weh, dass die Begehung des Museums fast zur Qual wurde. Ich fühlte mich wie die kleine Meerjungfrau, als sie endlich Beine bekam. Immerhin wurden die Augen durch die grossen Kunstwerke von Botticeli, Michelangelo, Leonardo, Raffaele, Cranach, Dürer, Rembrandt u.v.m. entschädigt.

Natürlich durfte Pisa auf der Städteliste nicht fehlen. Auch diese Stadt ist durch eine Bausünde berühmt geworden. Der Turm ist seit dem letzten Besuch wesentlich heller geworden. Vermutlich wurde das Marmor vom Abgas und Taubenmistbelag befreit. Der Campo di Miracoli glich sonst einem Jahrmarkt mit vielen Verkäufern, die einem gefälschte Uhren aufschwatzten und Ständen, die Souvenirminiaturen des berühmten Turmes und Pinocchiofiguren feilboten. Sehr sehenswert waren auch der Dom, das Baptisterium und der Camposanto. Die Pisaner schifften zur Zeit der Kreuzzüge Dreck vom Golgathahügel in ihre Heimat, damit sie ihre Toten in heiliger Erde begraben konnten.

Im modischen Italien muss natürlich auch geshoppt werden. In Florenz gibt es unzählige kleine Läden die Ramsch, Antiquitäten, teure Mode, Geschirr und alles mögliche verkaufen. Hätte ich doch viel Geld! Für das kleinere Budget gibt es etwas ausserhalb Outletcenter, wo man Armani und so zum halben Preis bekommt. Da werden die Ladenhüter und Fehlproduktionen zu billigen Preisen an arme Labelfetischisten verschachert. Unzählige Modetucken und geizige Schwaben bewegen sich auf diesem Terrain. Auch ich verfiel dem Kaufrausch und erwarb ein paar Schuhe, eine Tasche und einen Pulli, aber nicht von Dolce&Gabbana, auch nicht von Prada, nur von Puma, weder italienisch noch sehr teuer, dafür schlicht und schön.

Die Heimreise war weniger angenehm. Der Cisalpino verdient den Namen Schiissalpino. Ich hatte in Zürich 40 Minuten Zeit um auf den letzten Zug Richtung Chur zu kommen. In Mailand war der Zug schon 20 Minuten zu spät. Das war nicht mal so schlimm, denn dann musste ich in Zürich nicht 40 Minuten rumtrödeln. Aber das war noch nicht genug: In Chiasso hatte der Zug eine technische Störung und verspätete sich nun genau 40 Minuten. Der Kondukteur versicherte, dass der Anschluss warten werde. Der Zug bemühte sich aber keinesweges aufzuholen, nein er verspätete sich aus unerklärlichen Gründen noch mehr. Es gab aber doch noch eine Rettung. Ich konnte in Zug in einen Zug nach Thalwil umsteigen und kam dann doch noch rechtzeitig und unbeschadet nach Hause.
8.9.07 14:05


K. Spassig und A. Scholz: Lexikon des Unwissens

In den bisher bekannten Lexika steht eigentlich nur, was man schon weiss. Aber es gibt erschreckend viele Dinge, über die man fast gar nichts weiss bzw. Fragen, auf die es noch keine Antwort gibt:

Wie und wo vermehren sich Aale? Wieso emsen sich gewisse Tiere ein? Warum schlafen wir? Wie wirkt Anästhesie? Wie und warum schnurren Katzen? Wie entstehen sexuelle Interessen? Woher kommt der rote Regen? Wie erkältet man sich?

Einige Dinge sind ganz selbstverständlich, von anderen hat man noch nie gehört. Endlich gibt es ein Lexikon, das sehr interessant und amüsant beschreibt, wie wenig wir eigentlich wissen, gerade über alltägliche Dinge. Leider sind die Themen grösstenteils naturwissenschaftlich und die wenigen geisteswissenschaftlichen, sind sehr knapp abgefasst.

Das Buch ist auf jedenfall sehr lesenswert und unterhaltsam und ich hoffe, dass es bald weitere Bände gibt.
13.9.07 18:16





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