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Fyrsta trá - Erste Sehnsucht

Fyrsta trá

Á hinum grøna morgninum
vildi eg vera eitt hjarta.
Eitt hjarta.

Og á búnaða kvøldinum
ynskti eg at vera ein náttargali.
Ein náttargali.

Sál,
ver litað sum glóðfruktin.
Sál,
ver litað sum kærleikin.

Á ljómandi morgninum
vildi eg vera eg sjálvur.
Eitt hjarta.

Og tá ið kvøldið var komið at enda
ynskti eg at vera rødd mín.
Ein náttargali.

Sál,
ver litað sum glóðfruktin.
Sál,
ver litað sum kærleikin.

(Text: Federico García Lorca (färöische Übersetzung))


(Erste Sehnsucht

An jenem grünen Morgen
wollte ich ein Herz sein.
Ein Herz.

Und am fortgeschrittenen Abend
wünschte ich eine Nachtigall zu sein.
Eine Nachtigall.

Seele,
sei gefärbt wie eine Glutfrucht (?)
Seele,
sei gefärbt wie die Liebe.

Am strahlenden Morgen
wollte ich ich selbst sein.
Ein Herz.

Und als der Abend zu Ende ging,
wünschte ich meine Stimme zu sein.
Eine Nachtigall.

Seele,
sei gefärbt wie eine Glutfrucht (?)
Seele,
sei gefärbt wie die Liebe.)
15.6.08 14:22


Reinaldo Arenas: Bevor es Nacht wird (Antes que anochezca)

Seit langem habe ich nicht mehr so ein gutes Buch gelesen. Ich bin durch die Verfilmung zu später Stunde im Fernsehen darauf gekommen. Schwule Filme kommen immer nur auf 3SAT oder Arte und gerne nach Mitternacht.

"Bevor es Nacht wird" ist Arenas' Autobiographie, die er kurz vor dem Tod beginnt und dann in die Kindheit zurückblickt. Sie ist in kleinen, sehr schönen, vielleicht etwas verklärten Kapiteln abgefasst: Eine schlichte, arme, kleine Dschungelwelt zwischen Realität und Magie, die durch seine Grossmutter ausgeübt wird. Zu den schwierigen Umständen nimmt er humorvoll Distanz. Sie werden unter dem Castroregime keineswegs besser: Verfolgung, Unterdrückung, Armut, Homophobie, Willkür, Korruption, Verrat. Seine kritische Stimme kann trotz allem nicht zum Schweigen gebracht werden. Er schafft es seine Romane ins Ausland zu schmuggeln, wo sie zum grossen Ärger des bärtigen Tyrannen veröffentlicht werden.

Trotz der intensiven Verfolgung von Schwulen, fehlt es nicht an Ausschweifungen, an denen die Verfolger nicht unbeteiligt waren. Die tropische Hitze ist wohl oft stärker als die Kontrolle der Triebe. Seien es Soldaten, die sich auffordernd an den Eiern kratzen, wildes Treiben am Strand und in den Parks oder die Tuntenmafia im Gefängnis, Arenas weiss alles sehr detaillert und unterhaltsam zu beschreiben.

Das Buch bietet einfach alles: Ein Schicksal eines Zeitzeugen, einen Blick nach Kuba, viele Anekdoten, kleine Geschichten, tragische und komische. Trotz aller Lebensfeindlichkeit werden Lust und Humor nie besiegt.
14.5.08 22:16


Färöer - Føroyar (1. Mai - 8. Mai)

Vorabend (30. April)

Auf den Färöern war ich noch nie und endlich kam nach Jahren die grosse Gelegenheit: Eine Nordistikexkursion auf die Färöer. Ich besuchte in Kopenhagen ja einen Färöischkurs und wollte schon immer einmal diese Inseln bereisen. Sie liegen leider etwas abgelegen, sind sehr klein und haben auf den ersten Blick nicht so viel zu bieten. Dann schrecken andere Dinge noch ab: nämlich 300 Regentage pro Jahr und die grassierende Homophobie, wegen der vielen Frömmler. Bei den Suchworten "Gay", "Bar", "Faroes" kamen auf Google Berichte über Schwule, die vor Bars auf den Färöern verprügelt wurden. Links zu eigentlichen Schwulenbars oder ähnlichen Institutionen kamen keine. Auf Rat eines Freundes beschloss ich auf dem dänischen, homosexuellen Chatforum boyfriend.dk Kontakt zu den Insulanern zu knüpfen. Die Auswahl war klein und schlussendlich antworteten ein Maturand, der in einer Othelloaufführung mitspielt und ein Fischzüchter. Sie bestätigten, dass es tatsächlich keine Schwulenbars auf den Inseln gibt.

Trotz der Homophobie und der Vorstellung, dass diese Inseln wie eine vernebelte Version meines Heimatkantons auf 18 Inseln im Nordatlantik verteilt sein müssen, wollte ich an der Exkursion teilnehmen.

Da der Flug am ersten Mai wieder so früh los ging, war ich gezwungen die Gastfreundschaft einer Kollegin in Anspruch zu nehmen. Wir kochten Hackbraten mit Kartoffelstock und dazu tranken wir hausgemachtes Bier. Das reichhaltige Essen, die Aufregung und Freude liessen micht nicht einschlafen, so dass ich ohne Schlaf am frühen Morgen das Taxi zum Hauptbahnhof bestieg.


Erster Tag

Um sieben flogen wir nach Kopenhagen los und deckten uns auf der Reise reichlich mit Alkohol ein, weil dieser auf den Färöern nur schwer erschwinglich ist. Die Landung war etwas abenteuerlich. Der Flughafen Vágar liegt zwischen Bergen und Felsen und die Landepiste ist zu kurz, so dass die Landung viel Übung braucht und zum Teil gar nicht möglich ist. Statt auf den Färöern landet man dann gerne in Bergen oder in Glasgow. Trotz Turbulenzen ging alles gut. Bei Hochnebel und Nieselregen fuhren wir durch die karge Landschaft zur Hauptstadt Tórshavn. Hauptstadt? Na ja, eine wilde Ansammlung von Holzhäuschen, sehr trostlos. Wir checkten ein und machten einen kurzen Erkundungsspaziergang. Von Tinganes mit seinen alten, schönen schwarzen und roten Holzhäuschen war ich aber ganz positiv überrascht. Wir gingen chinesisch essen, denn viel andere Restaurants hatten wegen Auffahrt nicht offen, und nahmen unseren Schlummertrunk in der Pension.


Zweiter Tag

Am Vormittag gab es einen literarischen Spaziergang mit dem Schriftsteller Gunnar Hoydal, der diverse Anekdoten über William Heinesen zu erzählen wusste. Am Nachmittag besuchten wir das färöische Parlamant (Løgting). Dessen Sekretär war sehr redselig und beglückte uns mit Geschichten aus seinen Privaturlauben. Es war auch ziemlich schwierig ihn zur Ruhe zu bringen. Wir drängten ihm das Schoggigeschenk auf und suchten das Weite. Später widmeten wir uns noch der bildenden Kunst, die auf den Färöern wie so einiges eine kurze Geschichte hat. Die Motive sind immer die gleichen: Landschaft, Alltag, Portraits. Viel mehr gibt es auf den Färöern ja nicht... Am Abend tanzten wir dann den traditionellen Ring- oder Kettentanz (føroyskur dansur). Zwei Mitglieder der Tanzvereinigung sangen die Balladen und wir mussten in einer Reihe tanzen: Zwei Schritte links und einen zurück und dann wieder zwei links. Die wahre Herausforderung sind die Balladen. Ich hatte ausserdem die grosse Ehre vom jungen Sänger, einem Zimmermannsgesellen geführt zu werden. Über ihn könnte man auch eine Ballade dichten.

Am späteren Abend, oder besser gesagt gegen Mitternacht traf ich dann den Schauspieler, der gar nicht so aussah, wie ich erwartet hatte. Aber das geschieht oft bei solchen Chatdates. Bilder können trügen. Er führte mich ins färöische Nachtleben, genauer Café Natúr, eine der angesagteren Bars. Dort waren auch seine Schauspielerkollegen schon beim Bier. In Tórshavn ist es schwierig auszugehen, ohne dass man jemanden kennt. Das kommt mir irgendwie bekannt vor... Wir tranken färöisches Bier und unterhielten uns über die Schweiz und Färöer. Føroya Bjór ist wenig rühmenswert, es schmeckt wie jedes andere Pilsner und verstösst obendrein gegen das Reinheitsgebot, weil es Ascorbinsäure enthält. Welch unsäglicher Frevel! Irgendwann wollten wir beide aus dem überfüllten und lauten Café raus und spazierten durch die Altstadt im Morgengrauen. Mein Zimmergenosse und Schlüsselvala war schon im Bett und die äussere Tür war aber verschlossen. Wir standen vor einem Rätsel. Wie sollte ich jetzt hineinkommen? Zum Glück war aber das Badezimmerfenster offen, wo mein Begleiter dann hineinkroch und die Türe von innen öffnete. So war mir eine Nacht unter freiem Himmel erspart.


Dritter Tag

Trotz des wenigen Schlafes und des vielen Bieres verspürte ich am Morgen nicht den geringsten Kater. Ich glaube, dass es an der Seeluft und den langen Tagen liegt. Das schöne Wetter erlaubte uns nach Kirkjubøur zu wandern. Dort befindet sich die Ruine einer steinernen Kathedrale und ein grosser historischer Königsbauernhof. Die Wanderung war sehr schön, nicht zu anstrengend und man hatte eine schöne Aussicht auf Tórshavn und die Inseln Koltur und Hestur. Auf dem Bauernhof wurden wir vom stolzen Besitzer in der ca. 17. Generation herumgeführt. Seiner Schilderung der Christianisierung der Färöer, nämlich dass die irischen Eremiten schon missioniert hätten, rief wegen mangelnder Quellenhinweise einige Zweifel hervor. Die Kirchenruinen wurden mit einem abscheulichen schwarzen Schutzdach überdeckt, das sie wie einen Busbahnhof aussehen liess. Den Rückweg machten wir mit dem Bus und schauten uns noch das Norðurlandahúsið an, das abgesehen vom leckeren Himbeerkuchen in der Cafeteria wenig interessantes zu bieten hatte. Den Abend verbrachten wir wieder bei leckerem Essen und viel Trinken in der Küche der Pension.


Vierter Tag

Am Sonntag verliessen wir endlich einmal Streymoy um die anderen Inseln zu erkunden. Am Morgen schwebte noch etwas Nebel und zahlreiche Tankstellenläden waren geschlossen, weil die religiösen Färinger sonntags wie es sich für gute Christen gehört in die Kirche gehen. Selbst der Busfahrer war in Schale und hörte im Radio ersatzweise frömmlerische Lieder. Zum Glück verstanden wir den Inhalt nicht gänzlich, sonst wären wir vielleicht noch zu diesen Ketzereien bekehrt worden.

Zuerst schauten wir eine Holzkirche aus dem neunzehnten Jahrhundert an. Sie sehen alle irgendwie ähnlich aus: Kleiner Turm, geteert, weisse Fensterrahmen, goldene Leuchter. Wir hielten auch in Gøta an, wo der Häuptling Þrándr aus der Færeyinga saga wohnte, der den Missionar Sigmundr Brestisson bekämpte und zum alten Glauben hielt. Leider ohne Erfolg! Dann wären uns die Frömmler vielleicht erspart geblieben. Von seinem Hof war auch nicht mehr als der Name übrig. In Viðareyði, wo der Dichter und Linguist Christian Matras aufwuchs, schien die Sonne und wir konnten uns etwas bräunen.

Am Abend gingen wir an die zweite Othelloaufführung in der Geschichte der Färöer. Die Première war leider schon ausverkauft. Die Aufführung war in aller Munde, in der Zeitung und überalle hingen Plakate. Dort spielte mein Schauspieler die Hauptrolle und deshalb wollte ich auch hingehen. Das Stück kannte ich nicht, verstand auch nicht viel, weil es auf Färöisch war, aber es gab zum Glück viel Tanz- und Musikeinlagen, so dass es auch sonst schön anzusehen und -zuhören war. Nach der Aufführung wurden wir von der Desdemona "back stage" gebeten. Welch eine Ehre! Sie fühlten sich ihrerseits besonders geehrt, weil auch Ausländer sich für ihre Aufführung interessierten. Es wurde uns aber kein Sekt ausgeschenkt... Die Flüssigkeiten besorgten wir uns dann in der Küche, unserem liebsten Ausgangsziel.


Fünfter Tag

Es gab drei Gänge an den Fróðskaparsetur Føroya (Universität der Färöer). Beim ersten schauten wir die sehr kleine Uni an, wo man nur Nordistik, Geschichte, Jus, Wirtschaft und ein paar Naturwissenschaften studieren kann. Die Nordistik ist mit 42 Studenten kleiner als die in Zürich. Wie so oft war der Besuch an der Universität eine heimliche Werbeveranstaltung um Austauschstudenten zu akquirieren. Danach besuchten wir die Nationalbibliothek und das Nationalarchiv, wo sich der berühmte Seyðabræv befindet. Dieser ist nur ein Marginaltext in einer Mittelalterlichen Handschrift. Man hätte der wichtigsten Quelle der älteren färöischen Sprache einen prominenteren Platz geben können. Beim zweiten nach einer langen Mittagspause stand das Naturhistorische Museum auf dem Programm. Ich erwartete eine Ansammlung von ausgestopften Tieren, was dann auch so war, aber die Führung war überraschend lustig. Der "Gejerfugl" starb zum Beispiel aus, weil er drei Probleme hatte: Er war zu lieb, konnte nicht fliegen und schmeckte zu gut. Beim dritten waren wir mit den Schriftstellern Gunnar Hoydal, Oddvør Johansen und Rakel Helmsdal verabredet. Sie sollten über ihre Situation reden, die wegen der kleinen Sprache und der engen Verhältnisse auf den Inseln aussergewöhnlich ist. Unsere Dozentin wollte uns durch böse Blicke zu Fragen animieren, aber was soll man einen Schriftsteller fragen, wenn man seine Texte nicht kennt? Das Treffen wurde noch durch einen unerwarteten Besuch des Dichters Carl Johan Jensen bereichert, der nicht eingeladen war, aber trotzdem davon erfuhr, kein Wunder bei dieser kleinen Szene. Die andern drei schauten ziemlich betreten drein, als er von der Treppe erschöpft stöhnend, demonstrativ hereintrat. Seine Unbeliebtheit erklärt sich durch seinen starken Nationalismus und die scharfen Kritiken in der Zeitung. Die Animositäten verhinderten wohl auch, dass die Autoren mit uns eins trinken gehen wollten, was mir eigentlich ganz recht war, weil ich andere Pläne hatte.

Vor dem dritten Gang zur Mini-Uni mussten wir uns dringend um unsere Alkoholvorräte kümmern und wagten die Expedition in die Rúsdrekkasøla Landsins (wörtlich: Rauschgetränkeverkauf des Landes). Na ja, wir wollten nur Alkohol kaufen, kein Amphetamin oder so. In Thórshavn ist alles fünf Minuten voneinander entfernt, nur dieser Alkladen nicht. Der liegt irgendwo ausserhalb des Zentrums und nach einem halbstündigen Marsch fanden wir ihn auch. Der Eingang liegt nicht an der Strasse, sondern ist ihr entgegengewandt. Schön diskret! Der Laden ist wie ein Gefängnis überwacht und hat ein Minimalangebot an skandinavischen Bieren, etwas Wein und ein paar Schnäpsen. Die Rauschtränke können in diskrete weisse Taschen eingepackt werden, die sicher jeder Färinger von weither erkennt.

Am späten Abend sollte ich den Othello wieder treffen. Er sagte, dass alle Bars geschlossen seien, es war schon kurz vor Mitternacht. Kein Wunder in so einem Kaff. Wir nahmen uns je eins von den Bieren vom Rauschgetränkeladen und er führte mich dann an den Strand von Sandagerði, wo wir das Bier und die Aussicht nach Nólsoy genossen und noch mehr, denn es war sehr kalt... Er vergass dann seinen Schal und ich lieh ihm wegen der Kälten meinen.


Sechster Tag

Es zog uns wieder in die Ferne, in den Norden Streymoys und nach Eysturoy. Wir sahen den höchsten Berg Slættaratindur (882m), den schönen Strand von Eiði mit Sicht auf die Felsen Risin und Kellingin (Riese und Trollweib), zwei Trolle, die nach Island auswandern wollten, aber unterwegs von der Sonne erwischt wurden. Die beiden kamen nicht gerade weit... Am Strand konnten wir uns wie es sich gehört sonnen. Ich holte mir auch tatsächlich einen kleinen Sonnenbrand. Unglaublich auf den Färöern!

Am Abend trafen wir die Musiker Kristian Blak und Kári Sverrisson in einem der alten Teerhäuser auf Tinganes. Sie spielten uns traditionelle und moderne färöische Musik vor. Einiges tönte ziemlich bizarr, anderes sehr schön. Ein gemeinsamer Ringtanz durfte nicht fehlen, was eine technische Herausforderung war, weil der Raum sehr niedrig war. Ich musste mich auf drei Dinge gleichzeitig konzentrieren: Refrain, Schritt und Balken. Ich trat meinen Nachbarn auf die Füsse, schlug mir den Kopf an. Wenigstens konnte ich den Refrain richtig aussprechen. Die beiden Musiker führten uns noch ins Tutl, das grösste Musikgeschäft der Stadt. Sie machten wohl trotz Rabatten den Umsatz des Jahres.


Siebenter Tag

Am Morgen besuchten wir den Fernsehsender Sjónvarp Føroya. Die Führung war sehr interessant. Die Gesellschaft auf den Färöern hat sich in den letzten hundert Jahren von einer mittelalterlichen in die moderne Gesellschaft rasant verändert. Das Fernsehen, das es erst seit etwas zwanzig Jahren gibt, ist da für viele noch etwas Ungewohntes. Beim Bingo gab es ein aus schwimmenden Fischen bestehendes Hintergrundbild. Einmal vergass der Verantwortliche die Playtaste zu drücken und die Zuschauer bekamen bewegungslose Fische zu sehen. Sie riefen aus Sorge an und fragten, ob die Fische krank seien. Noch mehr Verwirrung stiftete der Techniker, als er irrtümlich die Rewindtaste drückte.

Der Nachmittag war frei. Ich verwendete die Zeit um einzukaufen: Bücher und Fisch. Geeignete Wollmützen fand ich leider nicht. Und am späteren Nachmittag machten wir einen Ausflug nach Nólsoy, der uns sehr empfohlen wurde. Wir fuhren mit der Fähre hinüber, stiegen kurz aus und fuhren wieder zurück. Die Insel war nicht interessant, aber wenn man schon auf den Färöern ist, muss man sicher einmal auf dem Schiff gewesen sein, was heutzutage wegen der vielen Tunnels über und unter dem Meeresspiegel kaum noch möglich ist.

Am Abend gab es zum krönenden Abschluss ein üppiges Abendessen: Lammgigot mit Kartoffeln und Gemüse, und dazu viel Wein und Bier. Zu später Stunde kam noch eine Verabredung mit Othello zustande, an der ich schon zweifelte und fürchtete, dass ich meinen Schal nie wieder bekommen würde. Färinger sind wie Isländer sehr mühsam bei Verabredungen, was für den pünktlichkeitsliebenden Mitteleuropäer sehr enervierend ist. Man macht nicht auf eine bestimmte Zeit ab, sondern meldet sich dann spontan, wenn man gerade Zeit hat. Irgendwie klappt es dann aber immer. Im Morgengrauen kam ich zurück, trank mit einer noch wachgebliebenen Kommilitonin ein Bier und packte dann den Koffer. Für Schlaf blieb wie vor der Hinreise keine Zeit.


Letzter Tag

Diejenigen, die wenig geschlafen hatten, waren fast bei besserer Laune, als jene, die früh ins Bett gegangen waren. In uns wirkte noch der Alkohol und wir fanden es eher lustig, dass der Bus viel zu spät kam. Der Flughafen Vágar ist abgesehen von der Piste nicht sehr interessant, es gibt nur Check-in, Gepäckkontrolle und einen Ausgang. So ist man sehr schnell im Flugzeug. Wir hätten gar nicht früher abfahren müssen.

Das waren also die Färöer. Einige Vorurteile haben sich bestätigt, aber diese fernabgelegenen Inseln und ihre Bewohner zeigten sich von ihrer besten Seite. Ich vermisse sie ein bisschen...


Einen färöischen Bock reitend
8.5.08 21:21


Des Lustspiels dritter und vierter Akt

Wenn man die Wiederholungskomödie effizienter gestalten würde, könnte man sie von zwei Tagen auf einen halben verkürzen, denn ein grosser Teil besteht aus Warten, Däumchendrehen, Pausemachen oder sinnlosen Herumfahren. Ich begebe ich mich hier in einen delikaten Bereich, denn das viele Nichtstun sollte der Öffentlichkeit unter keinen Umständen bekannt werden. Jeder weiss doch, dass man in diesen Komödien nichts tut. Oder ist gerade das etwa der Grund? Versucht man da einen schlechten Ruf zu korrigieren? Entweder müssen diese Dramen effizienter organisiert werden oder man schafft einfach die kartoffelsackartige Uniform ab, in der man sich sowieso wie ein Sträfling fühlt. In der Alltagskleidung fällt es viel weniger auf, wenn wir untätig draussen rumstehen. Natörläch kann man auch äm Bonker faul romstähen, da säht äs nämand, aber dä Loft äm Bonker äst so schlächt ond äs äst zo kalt. Wenn die Sonne scheint wollen wir nach draussen! Aber nun zu den Akten:

Dritter Akt: Ein Teil der Katastrophenorganisation (dieses vieldeutige Determinativkompositum sagt einiges über das Wesen des Zivilschutzes aus. Das Erstglied kann entweder adjektivisch, also katastrophale Organisation oder genitivisch, also Organisation einer Katastrophe interpretiert werden) besteht eben aus Kartenzeichnen. Solange där Föhrer anwäsend war, arbeiteten wir und als er dann weg war, gab es auch tatsächlich nichts mehr zu tun. Wir plauderten fröhlich (äm Bonker, so dass äs nämand säht!) und gingen dann in die Kaffeepause. In der dritten Szene, wenn man die Pause mitrechnet, gab es wieder so einen lächerlichen Power Point-Vortrag. Der Inhalt war noch erträglich, aber die Weise, wie er vorgetragen wurde war eine reine Lachnummer. Vorgesetzte sollten zumindest so tun, als ob sie es ernst meinen, und weder den Stoff lächerlich darstellen noch vor der Truppe andere Vorgesetzte in absentia denunzieren. Trotz oder gerade wegen der vielen Indiskretionen gab es wenigstens viel zu lachen.

Nach einem Zwischenspiel, dem Mittagessen folgte dann der vierte Akt: Leitungsbau mät däm Föhrer. Der schöne Sonnenschein schien auch ihn munter zu stimmen, so dass er ganz umgänglich war. Die Leitung wurde natürlich so geführt, dass der Zivilschutz möglichst präsent war, nämlich entlang der Kantonsstrasse. Vielleicht hilft das dem zweilfelhaften Ruf etwas ab, wer weiss? Der Schein trügt ja oft, wie wir alle wissen. Denn niemand weiss, was säch äm Bonker abspält. Ponkt fönf, wie geplant, obwohl uns ein früheres Ende verheissen worden war, hörten wir dann auf. Natürlich gab es noch einen Äpelog vom Föhrer, der uns lobte, tadelte und sich für den Einsatz bedankte. Ich kann da nur entgegnen: "Ungern geschehen!" Erleichtert von den Qualen des Wartens und Nichtstuns belohnte ich mich mit dem Kauf zweier T-Shirts und war dann froh zu Hause den kratzigen, hässlichen Pullover und den Rest des Kartoffelsackes vom Leibe zu haben.
22.2.08 20:42


WK - Wiederholungskomödie

Ich möchte dem Trend folgen, die Zustände der Schweizer Armee, genauer des Zivilschutzes im Internet darzustellen, nicht filmisch, aber - wenn man das so nennen darf - literarisch. Hoffentlich komme ich nicht ins Gefängnis wegen Verratens geheimer Informationen. Ich drücke mich deshalb möglichst unspezifisch aus und verändere alle Namen, damit niemand blossgestellt wird.

Der einzige Weg die Wiederholungskurse des Zivilschutzes ertragen zu können, ist der, dass man sie nicht ernst nimmt und sich darüber lustig macht. Man kann auch gar nicht anders, weil alles so absurd, sinnlos und doof ist, dass man nur darüber lachen kann.

Die Wiederholungskurse bzw. -komödien sind immer gleich aufgebaut. Die Patienten (wörtlich gemeint, die Leidenden) werden in Gruppen eingeteilt und in die Mysterien des Funkens, Antennenaufstellens, Standleitungenlegens und Kartenzeichnens eingeführt. Dies ist äusserst sinnvoll, weil ich den Mastwurf ständig vergesse.

Ich musste natürlich zu einer unmöglichen Zeit aufstehen, damit ich um halb acht in Glarus sein konnte. Unzumutbar für einen Studenten. Die grösste Frechheit ist aber, dass man fast nichts dabei verdient: ca. Fr. 50.- pro Tag (exkl. Sold von etwa Fr. 5.-). Das sind also ca. Fr. 6.- pro Stunde! Ist das überhaupt legal? Man muss zwar fast nichts tun, aber das schlimmste ist, anwesend zu sein und dieses hässliche Tenue zu tragen.

Zo fröher Stonde wärd man dann vom Föhrer begrösst. Där Föhrer hat natörlich einen Schnauz, nur etwas breiter als der von A****. Die beiden gleichen sich auch im Gehabe und Minderwertigkeitskomplexen. Wer Zivilschutzchef des Kantons Glarus sein will, ist entweder ein verkappter Offizier oder einfach ein fauler Uniformenfetischist, oder gar beides. Item, nach der Begrössung kamen dann die Fonköbongen, die immer gleich idiotisch ablaufen. Die Patienten verteilen sich im Bonker und fonken Mätteilungen dorch. Man trägt dann ein Pseudonym bestehend aus Alpha plus eine italienische Zahl, also uno, due, tre ... Wider Erwarten ist sechs nicht sei, sonder sexi. Wie pervers! Der Leiter der Öbong, den wir hier Gnom nennen wollen, beanspruchte diesen Namen unangemessenerweise für sich. Ich verballhornte das Pseudonym dann zu Alpha hexi, was bei meinem Copatienten einen Lachanfall erzeugte, so dass er seine Mitteilung nicht durchgeben konnte.

Immerhin wurden wir gut verköstigt. Gutes Essen ist das A und O für die Truppenmoral. Mit vollem Bauch mussten wir dann bei Miss Piggy Antennen aufstellen, zuerst Übung und dann Umsetzung im Klöntal im Schnee. Wieso? Ich fror mir fast die Zehen ab.

Morgen steht noch Leitunglegen beim Föhrer auf dem Programm und dann Kartenzeichnen, das heisst viel Lösungsmittel inhalieren.

Zwei kostbare Tage verliere ich für meine Lizarbeit. Und wofür? Für nichts!
21.2.08 19:18


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